Lilypie Zweiter Ticker

Interessantes Buch

Paul Coelho "Veronika beschließt zu sterben"

"Ihr ganzes Leben hatte sie den Weg des geringsten Widerstandes beziehungsweise das Nächstliegende gewählt, wie zum Beispiel jetzt diese Zeitschrift.
Die Beruhigungsmittel hatten sich in ihrem Magen noch nicht aufgelöst, aber Veronika war von Natur aus passiv. Bereits die erste Zeile jedoch riß sie unverhofft aus ihrer Lethargie und führte dazu, daß sie zum ersten Mal überlegte, ob an dem Modeausdruck >> nichts auf dieser Welt geschieht zufällig << nicht doch etwas Wahres sei.
Wieso dieser erste Satz gerade jetzt, da es ans Sterben ging? Welche verborgene Botschafte starrte ihr da entgegen, sofern es überhaupt so etwas wie verborgene Botschaften gibt und nicht einfach Zufälle."

"Sie versuchte sich vorzustellen, wie es ist zu sterben, doch es gelang ihr nicht.
So oder so brauchte sie sich darüber nicht den Kopf zu zerbrechen, denn sie würde es in wenigen Minuten wissen.
In wieviel Minuten? Sie hatte keine Ahnung. Doch sie genoß den Gedanken, daß sie die Antwort auf die Frage erhalten würde, die sich alle stellten: Gibt es Gott?
Anders als für viele Menschen war dies für sie keine lebenswichtige Frage gewesen. [...] Mit ihren vierundzwanzig Jahren, und nachdem sie das Leben in vollen Zügen genossen hatte, war sich Veronika fast sicher, daß alles mit dem Tod aufhören würde. Daher hatte sie den Selbstmord gewählt: endlich Freiheit. Vergessen für immer.
Im Grunde ihres Herzens gab es dennoch Zweifel: Und wenn es Gott nun doch gab? Die Jahrtausende machten den Selbstmord zu einem Tabu, zu einem Affront gegen die Religion: Der Mensch kämpft, um zu überleben, und nicht, um zugrunde zu gehen. Die Menschheit muss sich fortpflanzen. Die Gesellschaft braucht Arbeitskräfte. Ein Paar braucht einen Grund dafür, zusammenzubleiben, wenn die Liebe aufgehört hat, ein Land braucht Soldaten, Politiker und Künstler.
>Wenn es Gott gibt, was ich ehrlich gesagt nicht glaube, wird er begreifen, daß der menschliche Verstand Grenzen hat. Gott hat dieses Durcheinander voller Elend, Ungerechtigkeit, Geldgier und Einsamkeit geschaffe - sicher in der besten Absicht, doch mit verheerenden Folgen. Wenn es Gott gibt, wird er mit den Geschöpfen, die verfrüht von dieser Erde gehen wollen, großmütig verfahren, und er sollte uns vielmehr um Verzeihung bitten, daß er uns dieses Leben hier zugemutet hat. Zum Teufel mit den Tabus und dem Aberglauben!<
Ihre fromme Mutter hatte immer gesagt: Gott kennt die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukungt. Nun denn, er hatte sie in diese Welt gestellt, wohlwissend, daß sie sich am Ende umbringen würde - da durfte ihn das auch nicht schockieren."

"Aus diesem Grund waren Helden und Verrückte immer besonders faszinieren für die Verbitterten: Sie hatten weder Angst vor dem Leben noch vor dem Tod. Helden wie Verrückte ließen sich von Gefahren nicht beirren, sie gingen ihren Weg weiter, auch wenn alle sagten, sie sollten dies nicht tun. Der Verrückte brachte sich um, der Held gab für eine Sache sein Leben - beide aber starben, und die Verbitterten verbrachten viele Nächte damit, die Absurdität der beiden Tode zu kommentieren. Nur in diesen Augenblicken fand der Verbitterte Kraft, über die Mauer der Abwehr zu klettern und sich etwas umzuschauen: Doch bald schon wurden seine Hände und seine Füße wieder müde, und er kehrte zum alltäglichen Leben zurück.
Der chronisch Verbitterte bemerkte seine Krankheit nur einmal in der Woche: am Sonntagnachmittag. Dann, wenn weder seine Arbeit noch die Routine ihm halfen, die Symptome zu lindern, bemerkte er, daß irgend etwas nicht stimmte. Denn der Frieden dieser Nachmittage war die reinste Hölle, die Zeit verging nicht, und er war ständig gereizt.
Doch dann wurde es wieder Montag, und der Verbitterte vergaß seine Symptome, auch wenn er schimpfte, daß er niemals Zeit hätte, sich auszuruhen, und sich darüber beklagte, daß die Wochenenden immer so schnell vergingen.
Diese Krankheit hatte jedoch einen Vorteil. Sie war gesellschaftlich gesehen bereits zur Regel geworden, und die Leute mußten nicht mehr interniert werden, es sei denn, die Vergiftung war so weit fortgeschritten, daß dieser Mensch für seine Umwelt zur Belastung wurde. Aber der größte Teil der Verbitterten konnte draußen weiterleben, ohne die Gesellschaft zu bedrohen, da sie wegen der Mauern, die sie um sich errichtet hatten, vollkommen isoliert waren, obwohl es so aussah, als nähmen sie am sozialen Leben teil."

Nicht dass ich über Selbstmord oder so nachdenken würde. Nur die existentiellen Fragen sind schon gut beleuchtet. Das Buch hat mir damals sehr gefallen - danke Thoralf.

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Sinn des Lebens gesucht

... und gefunden

Robin

geb. am 20.03.2007
Länge: 50 cm
Gewicht: 3.250 g
Kopfumfang: 34 cm

U3 am 18.04.2007
Länge: 52 cm
Gewicht: 3.795 g
Kopfumfang: 37 cm

U4 am 13.07.2007
Länge: 63,5 cm
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U5 am 12.10.2007
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